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Journal

09.12.2025

111 Tage Betriebsassistenz

Seit 111 Tagen ist Niki Grieser Díez als Betriebsassistenz bei Theater Marie. Zu diesem Anlass haben wir sie darum gebeten, von ihren Erfahrungen zu berichten. 

In meinen ersten 111 Tagen Theater Marie hat in meinem Leben eine exponentielle Zunahme an Menschen mit Namen Andrea(s) und Maria stattgefunden.

In meinen ersten 111 Tagen Theater Marie habe ich so viel Zeit im Kanton Aargau verbracht, wie davor noch nie in meinem Leben.

In meinen ersten 111 Tagen Theater Marie habe ich circa 111 Mal «mega guet» gesagt, und «mega guet» gehört.

111 Tage Theater Marie heisst: Es wurden Dinge gestrichen.

Meine Freund*innen fragen mich, was ich denn da genau mache, bei meiner Arbeit, wenn ich wieder mit Flecken auf Händen und Hosen von der Arbeit komme.

«Alles», sage ich.

Oder: «Vieles»

Ich zitiere oft und gern falsch, darum sage ich manchmal auch:

«Jede Malerin hat einen Regenbogen unter den Fingernägeln» (Falschzitat von Klaus Merz, gehört in: Eine Ahnung vom Ganzen, meiner ersten Mariepremiere, Marieproduktion, Marieerfahrung.)

111 Tage Theater Marie heisst auch: Es wurden Bühnen auf- und abgebaut. Es wurden Lichter aufgehängt. Es wurde ins Lager gefahren. Dinge ein- und ausgeladen. Die Sätze «Das müssen wir noch laden.»/ «Wann laden wir das?» / «Haben wir das geladen?» / «Das dürfen wir dann nicht vergessen!»/ «Oh, jetzt haben wir das vergessen!» fielen oft. «Ein bisschen wie Zügelunternehmen», sage ich. «Ein bisschen wie Sisyphos, am gleichen Tag ein Haus bauen und es dann wieder abreissen», sagt Andreas Bächli.

111 Tage Marie heisst auch: Eine weisse Wand immer wieder verspachteln. Das hat auch etwas Meditatives. Fast fühle ich mich, als würde ich eine «richtige Arbeit» machen. Meine Vorfahren wären stolz auf mich. Am nächsten Tag schreibe ich dann aber trotzdem wieder «nur» E-Mails.

111 Tage Marie heisst auch:
Theaterhunde, verpasste Zugverbindungen, in Lenzburg stecken bleiben, Technikschatzkammern, Requisiten aus Hölle und Himmel.

Theater Marie heisst vor allem: Kein Tag ist wie der nächste, alle machen alles, ein Tag bist du Souffleuse, am nächsten Szenographieassistenz, am übernächsten Mittagstischköch*in. Langweilig wird’s selten, chaotisch manchmal, spannend eigentlich meistens.

Theater Marie heisst für mich persönlich auch: Viel Zugfahren, Gedanken über die Zugänglichkeit von Theater, ins Gespräch kommen mit Menschen hinter der Bühne, in der Technik, im Publikum, an der Garderobe, an verschiedenen Schweizer Bahnhöfen.

Am 111ten Tag Theater Marie träume ich dann zum ersten Mal von meiner Arbeit: Irgendwo im Hinterraum einer ausgeleuchteten Schweizer Bühne suchte ich nach einem Kabel, einem schmalen schwarzen. Ob ich es gefunden habe, weiss ich nicht. Aber das heisst dann wohl, ich bin angekommen.

Auf die nächsten 111! Ich bin gespannt.